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Arbeitsaufnahmen und Erfolge bei Langzeitarbeitslosen mit Kindern

12.11.2019 CJD Landau « zur Übersicht

Auch im zweiten Jahr des BG-Coachings stellen sich bei der Beratung Langzeitarbeitsloser wieder deutliche Erfolge ein. Im Förderansatz des ESF in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter Landau-Südliche Weinstraße wird die Beschäftigungsfähigkeit erhöht. Die beiden CJD-Mitarbeiter Joachim Seitz und Wolf-Udo Schumacher beraten in Landau und Bad Bergzabern bis zu 30 Personen. In zwei Kontakten pro Woche erhalten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen Unterstützung bei der Klärung ihrer finanziellen Situation, der Wohnungssuche und der Organisation der Kinderbetreuung. In intensiven Beratungsgesprächen werden berufliche Perspektiven geprüft, Alternativen gefunden und Praktika organisiert. Langfristiges Ziel ist die finanzielle Eigenständigkeit, auch als Vorbild für die Kinder der Familien.

Und die Erfolge sind sichtbar, hier einige Beispiele aus diesem Jahr. Um die Familien zu schützen wurden alle Namen* im Text geändert.

Andreas*(30), seine schwangere Frau Bianca*(24) und ihre drei Kinder (7,6, und 4) leben im Landkreis Südliche Weinstraße. Beide jungen Leute haben keinen Führerschein, keine Ausbildung, kaum Berufserfahrung. Vater Andreas strebte einen Tagesschicht-Job als Lagerhelfer mit Staplerschein an, um für seine Familie nicht nur finanziell, sondern auch bei Erziehung und Haushalt da zu sein. Das hat geklappt, obwohl bei Helferstellen vielfach Schichtarbeit und größere Mobilität gefordert wird. Andreas nimmt jetzt den ersten Bus morgens nach Landau und arbeitet direkt – ohne Zeitarbeit – als Lagerhelfer. Da die großen Kinder tagsüber in Kita und Schule sind, kann sich Bianca in Zukunft um das Neugeborene kümmern, abends und an den Wochenenden ist auch Papa Andreas Dank der familienfreundlichen Arbeitszeiten für die Familie da. Auch die alleinerziehende Vera*(38) hatte Erfolg und nahm eine Arbeit als Reinigerin auf. Die Mutter von drei Kindern (4, 12, 18) ist gut organisiert. Reinigerin ist nicht ihr Traumjob, aber sie hat von einer Bekannten erfahren, dass es eine sozialversicherungspflichtige Teilzeitstelle in der Nähe und zu fairen Bedingungen gibt. Eigentlich hätte die gelernte Näherin gerne als Einrichtungsberaterin gearbeitet, doch die Ausbildung (im Ausland) ist zu lange her, intensiver Kundenkontakt oder Verkauf liegt ihr zudem nicht, eine passende Weiterbildung ist nicht in Sicht.

Das Entscheidende bei den beiden Familien war, dass sie im Laufe der Beratung verschiedene Alternativen überlegen und testen konnten und so die Bereitschaft wuchs, etwas Neues zu wagen und dann hinter den Entscheidungen zu stehen. Freilich sind die Arbeitseinkommen bei den genannten Familien zu gering, um ganz von ALG II unabhängig zu werden, aber ein Anfang ist gemacht.

Auch die Familie des 54-jährigen Martin* und seiner Frau Anne*(39, 3 Kinder, 9, 14, 20) kann wieder nach vorne blicken. Martin* hatte vor seiner Arbeitslosigkeit viele Jahre lang hart auf dem Bau gearbeitet, Anne* musste kürzlich die Tätigkeit in einem Hotel beenden, weil der Arbeitgeber den Lohn nicht mehr zahlte und die Sache vor Gericht ging. Martin* hat nun eine Stelle als Trockenbauer, seine handwerklichen Erfahrungen und seine Zuverlässigkeit sind wieder gefragt, obwohl er nicht mehr so „ranklotzen“ kann wie die Jungen, Anne* fand eine Stelle in einem anderen Hotel.

Dank BG-Coaching verlief auch die Wohnungssuche bei Franziska* (48) erfolgreich. Sie lebte schon seit Monaten mit ihrem jüngsten Sohn Fabio* (17, Schüler auf der BBS) in einem Dorf im Landkreis Südliche Weinstraße auf engstem Raum bei ihrer Tochter und deren kleinen Kindern, Mutter und Sohn waren also faktisch obdachlos. Nach zahllosen Wohnungsgesuchen, vielen Anfragen, Absagen und Enttäuschungen konnten Franziska* und Fabio*, der nach bestandener mittlerer Reife eine Arbeit aufgenommen hat, eine Wohnung in Landau beziehen. Auch die alleinerziehenden Hannah* (35, 1 Kind, 8) und Brigitte* (46, 2 Kinder, 16, 19) wagten einen Neuanfang: Hannah* zog aus einem kleinen Dorf im Landkreis nach Karlsruhe, um die begonnene Ausbildung abzuschließen. Bei Umzügen vermittelten die Berater bei den jeweiligen Jobcentern, um Beihilfen und Zuschüsse zu bekommen und Übergangsprobleme zu lösen.

Brigitte* hat ein Herz für alte Menschen. Sie wurde darin bestärkt, nochmal durchzustarten und konnte für eine Weiterbildung motiviert werden. Nun besucht sie mit Herzblut die Schulungen und Praktika und hat die Qualifizierung zur Betreuungsfachkraft erfolgreich abgeschlossen. Sie hat nun gute Chancen Arbeit zu finden und auf eigenen Füßen zu stehen.

So erarbeiten sich die Teilnehmenden durch die Unterstützung der Berater Zug um Zug Chancen, die genutzt werden.