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10 Jahre Intensivwohngruppe Germersheim

08.10.2018 CJD Germersheim « zur Übersicht

Um dringend benötigte Angebote für die Betreuung von jungen Borderline-Patienten nach der Entlassung aus der stationären Psychiatrie zu schaffen, hat das CJD Germersheim im Sommer 2008 die erste von heute zwei Wohneinheiten einer Intensivwohngruppe für Borderline-Patienten eröffnet. Das Konzept wurde in Kooperation mit dem Pfalzinstitut in Klingenmünster und dem Jugendamt Germersheim entwickelt, die Dietmar-Hopp-Stiftung unterstützte den Projektstart mit 200 000 Euro.

Das Konzept wurde stetig weiter entwickelt und bei der Jubiläumsveranstaltung am Freitag, 21. September, blickten Mitarbeiter, aktuelle und ehemalige Bewohnerinnen und Experten auf 10 Jahre erfolgreiche Arbeit mit Borderline-Patientinnen zurück.

Persönlichkeitsentwicklungsstörungen wie die Borderline-Störung nehmen zu, und sowohl die Kinder- und Jugendpsychiatrien als auch die Jugendhilfe stehen vor großen Herausforderungen. Junge Borderline-Patienten neigen zu Hochrisikoverhalten, Aggressionen gegen sich selbst, Suizidalität und Grenzüberschreitungen und sprengen dadurch den Betreuungsrahmen im klassischen stationären Setting. Entsprechend gibt es nur sehr wenige Jugendhilfe-Einrichtungen, die Borderline-Patienten aufnehmen.

Professor Dr. Martin Bohus, wissenschaftlicher Direktor des Pfalzinstituts für seelische Gesundheit in Mannheim und weltweit anerkannter Experte auf dem Gebiet Borderline, der die Arbeit in der Wohngruppe begleitet, erklärte in einem anschaulichen Vortrag wie Borderline-Patienten fühlen, wie der aktuelle Stand der Forschung zur Neurophysiologie aussieht und vor allem, was Borderline-Pateinten hilft, diese schon in früher Jugend auftretende Entwicklungsstörung in den Griff zu bekommen. Er betonte die Qualität und Professionalität unserer Intensivwohngruppe, deren Arbeit deutschlandweit führend sei.

Denise Hartmann-Mohr, Jugendamtsleitung der Kreisverwaltung Germersheim betonte in ihrem Grußwort die Notwendigkeit von Angeboten wie der Intensivwohngruppe und lobte die Innovationskraft des CJD. Ganz persönliche Einblicke in das Leben mit Borderline gab eine ehemalige Bewohnerin, die inzwischen selbstständig lebt, beruflich erfolgreich ist und nun sogar noch ein berufsbegleitendes Studium im sozialen Bereich aufnehmen will. Marion Willem, Leiterin der Wohngruppe in Germersheim blickte auf Ereignisse in den 10 Jahren zurück. Sie drückte ihre große Achtung vor den jungen Frauen aus, die hart dafür arbeiten, die mit der Borderline-Symptomatik einhergehenden Verhaltensweisen abzulegen und ihr Leben in den Griff zu bekommen, aber auch für ihre Kolleginnen, die diesen schwierigen Prozess mit all seinen Rückschlägen professionell begleiten.

Zwischen den Vorträgen gab es „Augen-Blicke“ – kurze von den Bewohnerinnen gestaltete Beiträge. Zwei Lieder und vor allem ein selbstgeschriebenes Gedicht, vorgetragen von Jennifer, einer Bewohnerin, das die Gefühlsachterbahn beim Leben mit Borderline schildert und mit unglaublicher Intensität vorgetragen wurde, zogen die Zuhören in ihren Bann.

Nach einer Führung durch die Räume der Wohngruppe tauschten sich die Besucher, Bewohner und Mitarbeiter bei vom Küchenteam des CJD Neustadt zubereitetem Fingerfood und Kürbissuppe noch lange aus.